350 in Heidelberg

 
Hier berichtet Gast Blogger Adrian Tavaski von seiner grossen 350 Luftbildaktion in Heidelberg. 
 
Von dem Aktionstag „350“ erfuhr ich in einem online-Radio-Interview im Sommer 2009 mit Bill McKibben. Seine Integrität und die Ernsthaftigkeit seines Anliegens sprachen mich tief an und ich beschloss, an der Heidelberger Aktion teilzunehmen oder, wenn es sein muss, diese selbst zu initiieren.
Weder politisch noch in der Umweltbewegung aktiv, hatte ich bis dahin keinerlei Erfahrung, aber ich war mir sicher, dass ich etwas gegen die drohende Klimagefahr unternehmen und meine Mitmenschen wachrütteln wollte. „Wenn es nicht anders geht, fotografiere ich mich mit Ehefrau und Kind mit einem 350-Plakat vor dem Heidelberger Schloss!“, dachte ich. Diese durch Bill inspirierte Entschlossenheit war es, die mich in der ersten Phase der Organisation trug und mir bei der Suche nach Partnern Kraft gab.
Ende August fing ich an, alle Parteien und Organisationen, die dafür in Frage kamen, durchzutelefonieren. Ich besuchte Vorstandsitzungen und Mitgliederversammlungen und stellte das Projekt vor. Meine Arbeit war leichter als ich erwartet hatte. Heidelberg ist eine tolle Stadt mit ausgeprägtem Bewusstsein und hoher Sensibilität für Umwelt- und Klimaschutz, sodass sich bald die ersten Mitstreiter fanden. Nach etwa drei bis vier Wochen stand ein großer Kreis von engagierten und kompetenten Mit-Organisatoren fest.
Stephan Pucher und Matthias Weyland, beide Mitarbeiter des BUND, waren von der Idee von Anfang an begeistert. Die Heidelberger Umwelt-Initiative „Unser Strom ist grün“, an der zahlreiche Parteien und Organisationen beteiligt sind, adoptierte die Aktion offiziell. Arnulf Weiler–Lorentz von der Bunten Linken brachte seine langjährige Erfahrung als Lokalpolitiker und Umweltschützer in das Projekt ein.
Das aus ca. 10-12 Leuten bestehende Organisationsteam traf sich wöchentlich, auf der Mailingliste des Teams wurden 20-25 Personen über die einzelnen Schritte und Beschlüsse informiert. Wir hielten eine Pressekonferenz ab und organisierten an zwei Wochenenden einen Infostand. Der BUND entwarf sowohl Flyer als auch Plakat und das Team sammelte Spenden für das Plakatieren der Stadt.
In der Ausführung spielten die Infrastruktur und die Mitarbeiter des BUND-Büros eine wesentliche Rolle. Frejya Hauke, die Praktikantin, kümmerte sich um die technischen Details der Luftbildaufnahme und wurde von Aerial Basecamp aus den USA betreut. Alex und Jonathan, Zivildienstleistende, sowie die frisch gegründete Grüne Jugend, zeigten sowohl mit dem Infostand bei Regenwetter als auch am Aktionstag engagierten Einsatz.
Tatkräftige Unterstützung bzw. Geldspenden erhielten wir von den Grünen, der SPD, der Bunten Linken, der GAL, der Organisation Ökostadt Rhein-Neckar, ATTAC, der DKP, dem Umweltamt der Stadt Heidelberg und den Stadtwerken Heidelberg.
Eine besondere Freude war, mitzuerleben, dass sich viele Privatpersonen meldeten und spontan ihre Hilfe anboten. Es ist leider nicht möglich, alle Menschen aufzuzählen, die zum Gelingen der Aktion beitrugen. Für mich persönlich war der schönste Moment, ihre strahlenden Gesichter zu sehen, nachdem alles geklappt hat. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt in einer riesigen globalen Unternehmung war, hatte man in diesem kathartischen Augenblick das Gefühl, gemeinsam etwas Gutes bewirkt zu haben. Eine Aktion dieser Art war bisher einmalig in Heidelberg.
 
Adrián Tavaszi,

23.11.09, Neckargemünd bei Heidelberg