Mexiko-Südafrika 1:1 - und bei den Klimaverhandlungen?
Gerade haben sich Mexiko und Südafrika bei der Fussball WM 1:1 getrennt und nach zwei intensiven Wochen in Bonn bei den UN Klimaverhandlungen stellt sich mal wieder die Frage "Wann kommt den nun der internationale Klimavertrag? In Mexiko 2010 oder doch erst in Südafrika 2011?".
Die Hälfte des 350.org Europa Teams hatte mal wieder das Vergnügen zwei Wochen in Bonn zu verbringen und in der ersten Reihe mitzuverfolgen wie die internationalen Klimaverhandlungen im Stop-and-Go Modus voranschritten (die andere Hälfte unseres Teams hatte mehr Spass mit jungen sozial engagierten Unternehmern aus ganz Europa lokale Klimalösungen für den Aktionstag am 10.10.2010 vorzubereiten).
Während in der ersten Woche der Verhandlungen nicht wirklich viel passierte musste wir in der zweiten Woche nochmals richtig Gas geben, da an allen Ecken und Enden schlechte Verhandlungsergebnisse zu befürchten waren (und auch oftmals so eintrafen).
Speziell die vielen "Loopholes" (Löcher im Vertragstext, durch die es Annex 1 Ländern gelingt ihre Emissionen bis 2020 um ci. 8% weiter ansteigen zu lassen statt diese um die notwendigen 30-40% zu reduzieren) mussten den Verhandlungsführern in Bonn immer wieder aufgezeigt werden.
Und auch bei der Frage auf wie viel Grad die globale Erwärmung begrenzt werden soll, einer Frage, die speziell für die am meisten durch den Klimawandel betroffenen Länder von höchster Bedeutung ist, konnte keine Einigung gefunden werden. Die Mehrzahl dieser Länder fordert die Erderwärmung auf unter 1.5 Grad zu halten und eine Reduzierung der CO2 Emissionen auf mindestens 350 ppm. Vor ein paar Tagen sah es doch für einen Moment so aus, als ob ein Durchbruch bei der 1.5 Grad Frage erzielt werden könnte. Nachdem AOSIS (die Allianz der kleinen Inselstaaten) vorschlug einen wissenschaftlichen Bericht zum 1.5 Gradziel anfertigen zu lassen, um die Verhandlungen auf klimawissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen beruhen zu lassen, schaltete sich jedoch schnell Saudi-Arabien ein,den,"die notwendigen wissenschaftlichen Informationen welche Auswirkungen der Klimawandel auf ihre Länder habe, könnten sich die AOSIS Staaten ja wohl auch auf Google suchen". Der AOSIS Vorstoss wurde somit erfolgreich verhindert und kann erst wieder Ende des Jahres in Cancun auf den Tisch gebracht werden.
Auf einer Pressekonferenz, die 350.org direkt im Anschluss organisierte, stellte ein Sprecher der AOSIS Staaten nochmals klar," wir sind uns sicher das die Zeit kommen wird, wenn die ganze Welt über das 1.5 Gradziel sprechen wird, nur besteht die Gefahr, dass es einige unserer Staaten dann nicht mehr geben wird."
Um das Überleben alles Staaten und Völker zu sichern kommen wir nicht drumherum uns mit den Ergebnissen der Klimawissenschaft auseinander zusetzen - und diese zeigt deutlich auf, dass die Reduktionsziele, welche nach Kopenhagen auf den Tisch gebracht wurden, bei weitem nicht ausreichen, den Klimawandel auf ein für alle Staaten erträgliches Minimum zu halten.
Und was heisst das nun für die am Anfang gestellte Frage wann mit einem verbindlichen internationalen Klimavertrag zu rechnen ist? Während ich diesen Blog schreibe sind die Verhandlungen in Bonn noch nicht abgeschlossen. Zunächst gab es heute Nachmittag noch einige Schwierigkeiten die noch notwendigen Verhandlungssequenzen mit der WM unter einen Hut zu bekommen. Die Übersetzer mussten extra ihre wohlverdiente Pause um 30 Minuten kürzen, um noch eine letzte Verhandlungssequenz vor dem Auftaktspiel zu begleiten. Und jetzt stellt sich Russland gerade quer und möchte die Verhandlungen so nicht abschliessen, da zur Zeit keine Simultanübersetzung zur Verfügung steht.
Wie auch immer die letzte Verhandlungssequenz hier in Bonn ausgehen mag, eines ist sicher, es wurde eine wichtige Chance verspielt sich zeitnah mit dem 1.5 Gradziel auseinanderzusetzen. Zeitnah im Sinne der kleinen Inselstaaten, den wie wir bei 350.org immer sagen,"mit den klimatologischen Gegebenheiten unserer Atmosphäre lässt sich nunmal nicht verhandeln!".





