Stehe gemeinsam mit dem Präsidenten der Malediven für das Überleben aller Nationen und Völker

 Während Staats- und Regierungschefs der reichen Industrienationen gerade in den letzten Wochen die Erwartungen an Kopenhagen gedämpft haben melden sich die am meisten durch den Klimawandel bedrohten Länder mit einem starken Appell für Kopenhagen zu Wort. Letzte Woche trafen sich 11 der am meisten durch den Klimawandel bedrohten Staaten beim Vulnerable Climate Forum in den Malediven. Eingeladen vom Präsidenten der Malediven, Mohammed Nasheed, diskutierten sie ihre Strategie für Kopenhagen und sendeten ein starkes Signal an die Welt nicht einfach zuzuschauen, wenn die reichen Industrienationen diesen Dezember beim UN Klimagipfel in Kopenhagen einen politischen Deal verabschieden, der das Überleben dieser Nationen gefährdet, da er nicht den letzten klimawissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und uns nicht auf 350 ppm zurückbringen kann.

 
Um es mit den Worten Präsident Nasheed zu sagen, „ Es ist leicht zu glauben, er könne durch irgendeinen komplizierten politischen Kompromiss zwischen mächtigen Staaten in Angriff genommen werden. Aber Tatsache ist: Wir können mit den Gesetzen der Physik nicht verhandeln. Wir können keinen Deal abschließen mit Mutter Natur“.
 
Nationen, die zu den ärmsten der Welt und zu den am meisten durch den Klimawandel gefährdetsten gehören, wie z.B. die Malediven, haben sich dazu entschlossen nicht einfach nur zuzuschauen, wenn über ihr Schicksal entschieden wird, sie machen den ersten Schritt. So haben sich z.B. die Malediven selbst dazu verpflichtet innerhalb der nächsten 10 Jahre CO2 neutral zu sein und ihre Energien aus 100% Erneuerbaren zu erzeugen. Vergleicht man dies mit den Reduktionszielen, welche durch die reichen Industrienationen für Kopenhagen vorgelegt wurden stellt sich wohl die Frage, wer hier führend im Kampf gegen den Klimawandel ist. Die USA, deren vorgelegten CO2 Reduktionsziele nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind und bei weitem noch nicht als gesichert angesehen werden können, oder die EU, welche trotz neuester Studien, die besagen, dass ein 30% Reduktionsziel zu erheblich geringeren Kosten zu erreichen ist, als zuvor angenommen, sich nicht zu einer starken Klimapolitik mit starken Reduktionszielen und Finanzzusagen hinreissen lassen? Oder doch vielleicht Präsident Nasheed und die Staats-und Regierungschefs der am stärksten durch den Klimawandel bedrohten Länder, welche trotz ihrer sehr prekären finanziellen Situation die ersten wichtigen Schritte zu einer CO2-neutralen Zukunft bereits einleiten?
 
Hier bei 350.org sind wir der Meinung, dass wir den Appell von Präsident Nasheed nicht ungehört lassen können und uns dem von ihm geforderten „Überlebenspakt“ anschliessen müssen, denn für nichts anderes steht 350ppm – das Überleben aller Nationen und Völker. Das Überleben dieser Nationen und Völker ist nicht verhandelbar. Deshalb haben wir uns vorgenommen Aktionen während Kopenhagen durchzuführen, die diesen Überlebenspakt unterstützen. Mit Mahnwachen werden wir am 11.12 und 12.12 weltweit dazu aufrufen, das Überleben dieser Nationen und Völker nicht aufs Spiel zu setzen und einen Klimavertrag in Kopenhagen zu erarbeiten, welcher uns s wieder auf 350 ppm zurückbringen kann.
 
Hier könnt ihr den „Überlebenspakt“ unterzeichnen und euch auf die Seite der am meisten durch den Klimawandel bedrohten Länder stellen. Und hier könnt ihr eure eigene 350 Überlebens Mahnwache anmelden.
 
Die Rede von Präsident Nasheed von den Malediven
 
November 2009
 
Ihre Exzellenzen, hochverehrte Gäste, meine Damen und Herren,
 
Wir begegnen uns heute hier als Vertreter einiger der am meisten vom Klimawandel bedrohten Nationen der Erde.
Wir sind verwundbar, weil die Klimaveränderung uns wahrscheinlich zuerst und am heftigsten treffen wird.
Und wir sind verwundbar, weil wir nur bescheidene Mittel haben, um uns vor der bevorstehenden Katastrophe zu schützen.
Wir sind eine vielfältige Gruppe von Ländern.
Aber wir haben einen gemeinsamen Gegner.
Für uns ist der Klimawandel keine ferne oder abstrakte Bedrohung, sondern eine deutliche und gegenwärtige Gefahr für unser Überleben.
Der Klimawandel bringt die Gletscher in Nepal zum Schmelzen.
Er verursacht Überflutungen in Bangladesch.
Er droht die Malediven und Kiribati zu versenken.
Und in den letzten Wochen hat er die Trockenheit in Tansania und die Taifune auf den Philippinen verstärkt.
Wir sind die Frontstaaten im Kampf um das Klima.
 
Meine Damen und Herren,
nicht die Entwicklungsländer haben die Klimakrise ausgelöst.
Wir sind nicht verantwortlich für die seit hundert Jahren anhaltenden CO2-Emissionen, die den Planeten aufheizen.
Aber die Gefahren, die der Klimawandel für unsere Länder darstellt, bedeuten, dass wir diese Krise nicht länger als das Problem anderer Menschen betrachten können.
Kohlendioxid kennt keine Grenzen.
Ob wir es mögen oder nicht, wir stehen alle gemeinsam vor dieser Schlacht.
Für alle, die heute hier versammelt sind, ist Untätigkeit keine Option.
Also, was können wir tun?
Für mich muss sich jede Aktion, die wir unternehmen, auf die aktuellsten Ratschläge der Klimawissenschaftler gründen, und nicht auf die Ideen von Politikern wie uns.
Während der Schatten von Kopenhagen schon auf uns liegt und die Unterhändler verzweifelt nach einer Lösung suchen, liegt es nahe zu denken, der Klimawandel sei ein internationales Problem wie jedes andere.
Es ist leicht zu glauben, er könne durch irgendeinen komplizierten politischen Kompromiss zwischen mächtigen Staaten in Angriff genommen werden.
Aber Tatsache ist: Wir können mit den Gesetzen der Physik nicht verhandeln.
Wir können keinen Deal abschließen mit Mutter Natur.
Wir müssen lernen, innerhalb der feststehenden Grenzen unseres Planeten zu leben, die die Natur uns setzt.
Und es wird immer deutlicher, dass wir weit über diese planetarischen Mittel hinaus leben.
Wissenschaftler sagen uns, dass die Kohlendioxidwerte auf unter 350 Teile pro Million gesenkt werden müssen.
Und wir verstehen warum.
Wir sind bereits über das sichere Ziel hinausgeschossen.
Die Konsequenz davon ist, dass die Polarkappen schmelzen.
Die Regenwälder sind bedroht.
Und die Korallenriffe der Erde sind in unmittelbarer Gefahr.
Die Mitglieder der reichen G8-Staaten haben sich verpflichtet, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.
Sie haben es jedoch abgelehnt, konkrete Kohlendioxidwerte festzulegen, mit denen selbst dieses bescheidene Ziel erreicht werden könnte.
Bei zwei Grad würden wir die Korallenriffe verlieren.
Bei zwei Grad würde uns Grönland wegschmelzen.
Bei zwei Grad würde mein Land nicht überleben.
Als Präsident kann ich das nicht akzeptieren.
Als Mensch kann ich das nicht akzeptieren.
Ich wehre mich zu glauben, dass es zu spät ist und wir nichts dagegen tun können.
Kopenhagen ist unser Schicksalsdatum.
Lassen Sie uns mit einem besseren Plan hingehen.
 
Meine Damen und Herren,
wenn wir uns heute in der Welt umsehen, gibt es nur wenige Länder, die beim Klimawandel moralische Führungskraft zeigen.
Es gibt viele Politiker die bereit sind Schuldige auszuweisen.
Aber nur wenige sind bereit bei der Lösung einer Krise zu helfen, die, wenn sie eskaliert, uns alle vernichten wird.
Nur wenige Länder sind gewillt das Ausmaß der Emissionsverminderung zu erörtern, die nötig wäre um den Planeten zu retten.
Und die Angebote, mit denen die verwundbarsten Nationen bei ihrer Anpassung unterstützt werden sollen, sind jämmerlich.
Die angebotenen Geldsummen sind so niedrig, als würde man in einem Erdbebengebiet mit Handschaufel und Bürste auftauchen.
Wir möchten nicht undankbar erscheinen, aber diese Summen werden der Größe der Herausforderung kaum gerecht.
Wir haben uns hier versammelt, weil wir im Angesicht der Klimaveränderungen die verwundbarste Nationengruppe sind.
Das Problem hat uns schon erfasst, dabei haben wir herzlich wenig womit wir uns wehren können.
Einige würden es vielleicht vorziehen, wenn wir wegen unseres Leidens kein Aufheben machen würden, aber wir haben uns heute entschlossen zu reden.
Und so lege ich heute dieses Versprechen ab: wir werden nicht still sterben.
Meine Damen und Herren,
ich glaube an die Menschlichkeit.
Ich glaube an das menschliche Genie.
Ich glaube daran, dass wir mit der richtigen Einstellung diese Krise bewältigen können.
Auf den Malediven wollen wir uns weniger auf unser Bedrängnis konzentrieren und dafür mehr auf unser Potenzial.
Wir wollen das tun, was für den Planeten am besten ist.
Und das, was für unseren wirtschaftlichen Eigennutz am besten ist.
Deshalb haben wir vor einiger Zeit unsere Pläne angekündigt, innerhalb von zehn Jahren CO2-neutral zu werden.
Wir werden von Erdöl auf 100% erneuerbare Energien umrüsten.
Und wir werden die Verschmutzung durch den Flugverkehr ausgleichen, bis ein Weg gefunden wird, auch den Lufttransport CO2-frei abzuwickeln.
Ich glaube, dass die Länder, die die Voraussicht haben, ihre Wirtschaft heute umweltverträglich zu machen, die Gewinner von morgen sein werden.
Sie werden die Gewinner dieses Jahrhunderts sein.
Diese bahnbrechenden Länder werden sich vom unberechenbaren Preis des importierten Erdöls befreien.
Sie werden aus den neuen, grünen Wirtschaftszweigen der Zukunft Kapital schlagen.
Und sie werden ihr moralisches Ansehen vergrößern und so mehr politischen Einfluss auf der Weltbühne gewinnen.
Hier auf den Malediven verzichten wir auf unseren Anspruch auf CO2-intensives Wachstum.
Schließlich wollen wir nicht CO2, sondern Entwicklung.
Wir wollen nicht Kohle, sondern Elektrizität.
Wir wollen nicht Erdöl, sondern Transport.
Es gibt mittlerweile CO2-arme Technologien, die uns alle benötigten Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stellen können.
Lassen Sie es unser Ziel sein, sie zu nutzen.
 
Meine Damen und Herren,
eine Gruppe von verletzlichen Entwicklungsländern, die sich der CO2-neutralen Entwicklung verschreiben, würde damit eine deutliche Botschaft an den Rest der Welt schicken.
Wenn verletzliche Entwicklungsländer sich zur CO2-Neutralität verpflichten, können jene die die Veränderung ablehnen sich nicht länger verstecken.
Wenn jene mit den wenigsten Mitteln das meiste tun, welche Ausrede bleibt den Reichen dann für fortgesetztes Nichtstun?
Wir wissen, dass dieses kein einfacher Schritt ist, und dass auf unserem Weg Gefahren lauern.
Wir wollen ein Licht anzünden, statt lauthals zu fordern, dass andere uns in der Dunkelheit vorausgehen.
Und daher wollen wir Ihnen heute unsere Strategie der CO2-Neutralität vorstellen.
Und wir wollen Sie bitten, diese CO2-Neutralität für sich selbst in Betracht zu ziehen.
Ich denke, dass ein Block von Entwicklungsländern, die sich zu diesem Ziel verpflichten, den Ausgang der Kopenhagener Konferenz verändern könnte.
Zur Zeit begibt sich jedes Land mit der Idee zu den Beratungen, den eigenen CO2-Ausstoß so hoch wie möglich zu halten.
Keiner macht Zugeständnisse, bevor nicht jemand anderes welche macht.
Das ist die Logik des Irrenhauses, eine Anleitung zu kollektivem Selbstmord.
Wir wollen keinen globalen Selbstmord-Pakt.
Und wir werden keinen globalen Selbstmord-Pakt unterschreiben, weder in Kopenhagen noch anderswo.
Deshalb lade ich heute einige der verwundbarsten Nationen auf der Welt dazu ein, sich einem globalen Überlebens-Pakt anzuschließen.
Wir stecken alle zusammen in dieser Krise.
Entweder wir überwinden sie gemeinsam, oder wir scheitern gemeinsam daran.
Ich hoffe, Sie entscheiden sich mit mir zusammen für das Erstere.
 
(Quelle: www.350.org; übersetzt von Georges Pfeiffenschneider)