{"id":34281,"date":"2015-01-16T14:44:00","date_gmt":"2015-01-16T14:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/350.org\/de\/?p=34281"},"modified":"2023-09-26T20:09:02","modified_gmt":"2023-09-26T20:09:02","slug":"ein-weiterer-sargnagel-fuer-kohle-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/350.org\/de\/ein-weiterer-sargnagel-fuer-kohle-in-europa\/","title":{"rendered":"Ein weiterer Sargnagel f\u00fcr Kohle in Europa"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_34282\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/vvvvvvv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-34282\" class=\"wp-image-34282 size-full\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/vvvvvvv.jpg\" alt=\"vvvvvvv\" width=\"1024\" height=\"554\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/vvvvvvv.jpg 1024w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/vvvvvvv-225x122.jpg 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/vvvvvvv-300x162.jpg 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/vvvvvvv-430x233.jpg 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-34282\" class=\"wp-caption-text\">Braunkohletagebau in Garzweiler, Deutschland (Foto: Bert Kaufmann)<\/p><\/div>\n<p>Als wenn die Zeichen der Natur alleine nicht gen\u00fcgen w\u00fcrden, hat das wissenschaftliche Magazin Nature der globalen Gemeinschaft diese Woche weitere starke Belege daf\u00fcr geliefert, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2015\/jan\/07\/much-worlds-fossil-fuel-reserve-must-stay-buried-prevent-climate-change-study-says?CMP=share_btn_tw\">weshalb der Gro\u00dfteil der Kohle unter Tage bleiben muss, wenn der Klimawandel gestoppt werden soll<\/a>. Die Zahlen f\u00fcr Europa sind besonders d\u00fcster, da hier 21% der \u00d6l-, 6% der nat\u00fcrlichen Gas- und 89% der Kohlereserven unter der Erde bleiben m\u00fcssen, um die international vereinbarte 2\u00b0C-Erw\u00e4rmungsgrenze einzuhalten.<\/p>\n<p>Die Nature-Studie ist die erste ihrer Art, die ein Kohlenstoffbudget aufstellt, das nicht nur nach Region, sondern auch nach Typ der fossilen Brennstoffe unterscheidet. Und, wie einer der federf\u00fchrenden Autoren Dr. Christophe McGlade klarstellt, ist dies \u201enicht der einzige Weg voran und auf keinen Fall eine vorgeschriebene L\u00f6sung [&#8230;]. Die Forschung k\u00f6nnte jedoch als Appetithappen f\u00fcr weiterreichende Verhandlungen \u00fcber die historische Verantwortung, Verteilungsgerechtigkeit und m\u00f6gliche Ausgleichsmechanismen dienen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Von 89% auf 100%<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_34283\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/rrrrrr.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-34283\" class=\"wp-image-34283 size-full\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/rrrrrr.png\" alt=\"rrrrrr\" width=\"1024\" height=\"590\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/rrrrrr.png 1024w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/rrrrrr-225x130.png 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/rrrrrr-300x173.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/rrrrrr-430x248.png 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-34283\" class=\"wp-caption-text\">Visuelle Darstellung der Ergebnisse der Nature-Studie (Bild: Carbon Brief)<\/p><\/div>\n<p>Wenn man einige der Annahmen, auf denen die Ziffer \u201e89%\u201d basiert, n\u00e4her betrachtet, wird klar, dass Europa nur dann einen fortschrittlichen Weg einschl\u00e4gt, wenn es aus der Kohlef\u00f6rderung aussteigt &#8211; und zwar zu 100% und so bald wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal w\u00fcrde selbst das uns nur eine 50%-Chance einr\u00e4umen, das 2\u00b0C-Ziel einzuhalten und selbst das geht immer noch mit weitreichenden, zerst\u00f6rerischen Klimaeffekten jener Art einher, wie wir sie bereits in den letzten Monaten und Jahren beobachtet haben (von den rasanten, starken \u00dcberschwemmungen in Gro\u00dfbritannien und Zentraleuropa hin zu der sich einschleichenden D\u00fcrreplage in S\u00fcdeuropa).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem beruht die Zahl auf der Annahme, dass jede andere Weltregion sich genau an ihr eigenes Kohlenstoffbudget h\u00e4lt. Aber wie sehr k\u00f6nnen wir uns zum Beispiel darauf verlassen, dass die ehemaligen Staaten der Sowjetunion 97% ihrer Kohle unter Tage lassen, wie es die Studie zuteilt? Das ist schwer vorstellbar, da allein Russland schon jetzt derart massiv den Kohleabbau f\u00f6rdert, dass die Kohleumschlagsh\u00e4fen in den kommenden Jahren zu \u00fcber 300% ihrer jetzigen Gr\u00f6\u00dfe ausgebaut werden solllen.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt: Wir sprechen hier von Reserven &#8211; fossile Brennstoffe also, die sowohl aus technischer als auch wirtschaftlicher Perspektive als abbaubar eingesch\u00e4tzt werden. Andere unkonventionelle\/ extreme Formen des Abbaus sind ein No-Go, auch wenn einige europ\u00e4ische Regierung dar\u00fcber nachdenken oder sogar in diese Richtung planen.<\/p>\n<h5>Was es bedeutet, die europ\u00e4ischen Kohlereserven unter Tage zu lassen.<\/h5>\n<p>Wenn man sich in einem Loch befindet und nicht weiter graben sollte, dann helfen normalerweise zwei Dinge: Die Bergarbeiter m\u00fcssen einen Weg finden, ihre Erfahrungen und F\u00e4higkeiten anderweitig einzusetzen und &#8211; genauso wichtig &#8211; man muss aufh\u00f6ren, weitere Schaufeln zu kaufen.<\/p>\n<p>Die Kohlefinanzierung ist stark. <a href=\"https:\/\/www.rtcc.org\/2014\/10\/13\/europe-spends-e10bn-a-year-on-coal-subsidies\/\">Europa gibt j\u00e4hrlich \u20ac 10 Milliarden f\u00fcr Kohlesubventionen aus<\/a>. Allein Deutschland hat in 2012 \u20ac 3 Milliarden zur Unterst\u00fctzung der Kohle ausgegeben, mehr als jeder andere EU-Mitgliedsstaat. Und in Polen, dem europ\u00e4ischen Aush\u00e4ngeschild in Sachen Kohle, hat Br\u00fcssel in der Vergangenheit traditionell gebilligt, dass gro\u00dfe nationale Unternehmen bis zu \u20ac 1,7 Milliarden an Subventionen eingestrichen haben, so ein aktueller Forschungsbericht von CEE Bankwatch.<\/p>\n<p>Von dieser ganzen Finanzierung profitiert eine sterbende Branche. Gerade gestern hat die polnische Regierung einen Rettungsplan f\u00fcr Kompania Weglowa SA, dem gr\u00f6\u00dften Kohleproduzenten der EU, verabschiedet. Dabei werden Stellen abgebaut, <a href=\"https:\/\/www.businessweek.com\/news\/2015-01-07\/poland-plans-job-cuts-mine-sales-to-rescue-top-eu-coal-producer\">Minen geschlossen und finanzielle Mittel von staatlichen Energieversorgern bereitgestellt, um den Totalbankrott abzuwenden<\/a>.<\/p>\n<p>Das Risiko dabei ist nat\u00fcrlich, dass die Industrie im Sterben viele von uns mitrei\u00dft &#8211; unsere \u00f6ffentliche Gelder und unsere Arbeitspl\u00e4tze. Allein der polnische Beinahe-Bankrott wird bis 2016 zu etwa 4.800 Entlassungen f\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2014\/aug\/27\/coal-power-stations-eu-emissions-target\">Nichtsdestotrotz werden in der Region weiterhin Braunkohlekraftwerke gebaut und damit die Verbrennung dieses Brennstoffs f\u00fcr weitere Jahrzehnte besiegelt<\/a>. In Bulgarien, Tschechien, Griechenland, Deutschland, Polen, Rum\u00e4nien und Slowenien befinden sich derzeit 19 solcher Kraftwerke in unterschiedlichen Genehmigungs-, Planungs- oder Bauphasen. Deutschland und Gro\u00dfbritannien, die selbsternannten Klimavorreiter der EU, belegen dabei den ersten und dritten Rang der wenig beneidenswerten Hitliste des Kohleverbrauchs im Elektrizit\u00e4tssektor (Polen steht stark an zweiter Stelle).<\/p>\n<h5>Die Opposition ist stark<\/h5>\n<p>\u201eDie Kohle-Renaissance in Europa war nur ein Traum&#8220; klingt vielleicht erst einmal nach einer Presseerkl\u00e4rung einer gr\u00fcnen Nichtregierungsorganisation. Dieser starke <a href=\"https:\/\/www.euractiv.com\/sections\/energy\/europes-coal-renaissance-was-only-dream-says-iea-310822\">Konter<\/a> stammt aber aus dem aktuellen Medium-Term Coal Report 2014 der Internationalen Energieagentur. Und er kommt nicht \u00fcberraschend.<a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/2014-12-19\/european-coal-hits-seven-year-low-as-costs-decline-with-demand.html\"> Der Preis der europ\u00e4ischen Kohle fiel auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren<\/a>, da die Abbau- und Verschiffungskosten abnahmen und ein Nachfrager\u00fcckgang aus China, dem weltgr\u00f6\u00dften Kohleverbraucher, prognostiziert wird.<\/p>\n<p>Und als w\u00e4ren diese starken Marktsignale noch nicht ausreichend, nimmt auch der \u00f6ffentliche Widerstand gegen Kohle weiter zu. Im letzten Sommer haben sich tausende von Menschen auf den Weg in die deutsch-polnische Grenzregion Lausitz gemacht, wo der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall und die polnische Energiegruppe PGE einen weiteren Ausbau des Tagebaus planen. <a href=\"https:\/\/350.org\/fr\/wp-admin\/As%20pessoas%20formaram%20uma%20corrente%20humana%20de%20oito%20quil%C3%B4metros\">Die Demonstranten bildeten eine 8 Kilometer<\/a> lange Menschenkette und verbanden so jene deutschen und polnischen D\u00f6rfer, die dem Braunkohletagebau weichen sollen.<\/p>\n<div id=\"attachment_34284\" style=\"width: 886px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/ggggggg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-34284\" class=\"wp-image-34284 size-full\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/ggggggg.jpg\" alt=\"ggggggg\" width=\"876\" height=\"493\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/ggggggg.jpg 876w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/ggggggg-225x127.jpg 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/ggggggg-300x169.jpg 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2015\/01\/ggggggg-430x242.jpg 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 876px) 100vw, 876px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-34284\" class=\"wp-caption-text\">Menschenkette in der Lausitz, Sommer 2014 (Foto: Patrick Pleul, The Associated Press)<\/p><\/div>\n<p>In den letzten Monaten hat sich auch<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2014\/dec\/31\/polish-farmers-threaten-uprising-over-opencast-coalmine\"> betr\u00e4chtlicher Widerstand durch polnische Bauern, Gewerkschaften und andere B\u00fcrger in Westpolen<\/a> gegen die Pl\u00e4ne des polnischen Energieunternehmens PAK formiert, die beabsichtigen einen Braunkohletagebau in der Krobia und Miejska G\u00f3rka-Region anzulegen. Beim Verbrennen dieser lockeren Kohle wird vergleichsweise mehr Kohlenstoffdioxid frei als bei Steinkohle oder Erd\u00f6l und zweimal soviel wie bei Erdgas.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Monat bietet der <a href=\"https:\/\/gofossilfree.org\/de\/global-divestment-day\/\">Global Divestment Day<\/a> eine weitere Gelegenheit wieder einmal darauf hinzuweisen, dass fossile Brennstoffe, wie z.B. Kohle, in die Geschichtsb\u00fccher geh\u00f6ren und die Zukunft in den erneuerbaren Energiequellen liegt. \u00d6ffentliche und private Institutionen, wie auch das University College London, an dem die Autoren der Nature-Studie forschen und das \u00fcber 14 Millionen Pfund in fossile Brennstoffe investiert hat, werden verst\u00e4rkt dazu aufgefordert, ihre Finanzierung der Klimazerst\u00f6rung einzustellen und ihr Kapital in die bereits bestehenden L\u00f6sungen zu investieren.<\/p>\n<p>Und im Sommer, vom 14. &#8211; 16. August, laden Aktivisten aus Deutschland und den benachbarten Staaten die \u00d6ffentlichkeit zu einem gro\u00dfen Treffen im Rheinland, Europas gr\u00f6\u00dfter CO2-Quelle, ein, um ein Ende der Kohlef\u00f6rderung zu fordern. Dort erstrecken sich die Kohlefelder bis zum Horizont und die riesigen Bagger \u00fcbertreffen das NASA Space Shuttle und die Apollo Saturn V Tr\u00e4gerrakete als gr\u00f6\u00dfte Landfahrzeuge der Welt.<\/p>\n<p>Europa braucht einen sofortigen und gerechten Kohleausstieg. Seine B\u00fcrger fordern es, die M\u00e4rkte geben immer wieder Signale, die in diese Richtung weisen und jede Alternative, die nicht fast die kompletten Kohlereserven der Region unter Tage bel\u00e4sst, ist nicht mit einer lebenswerten Zukunft auf unserem Planeten vereinbar. Wie einer der Autoren der Nature-Studie anmerkte, ist es Zeit die Kluft zu schlie\u00dfen \u201ezwischen dem erkl\u00e4rten Ziel der Politiker und Entscheidungstr\u00e4ger sich an die 2\u00b0C-Marke zu halten und ihrem Willen tats\u00e4chlich dar\u00fcber nachzudenken, was getan werden muss, damit dieses auch nur im Ansatz erreicht wird\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wenn die Zeichen der Natur alleine nicht gen\u00fcgen w\u00fcrden, hat das wissenschaftliche Magazin Nature der globalen Gemeinschaft diese Woche<span class=\"text-cutoff\">&#8230;<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":16284,"featured_media":34284,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7,4,1145],"tags":[],"class_list":["post-34281","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-divestment","category-featured","category-kiitg"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v26.9 (Yoast SEO v28.3) - 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