{"id":56810,"date":"2018-01-23T18:26:55","date_gmt":"2018-01-23T18:26:55","guid":{"rendered":"https:\/\/350.org\/de\/?p=56810"},"modified":"2023-09-26T19:49:32","modified_gmt":"2023-09-26T19:49:32","slug":"nachwort-zu-cop23-ein-sevusevu-im-deutschen-regen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/350.org\/de\/nachwort-zu-cop23-ein-sevusevu-im-deutschen-regen\/","title":{"rendered":"Nachwort zu COP23: ein Sevusevu im deutschen Regen"},"content":{"rendered":"<p><em>Geschrieben von Kathy Jet\u00f1il-Kijiner auf <a href=\"https:\/\/www.kathyjetnilkijiner.com\/after-cop23-a-sevusevu-in-german-rain\/\">ihrem Blog<\/a> und \u00fcbersetzt von Carola Berger<\/em><\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-56811\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o.jpg\" alt=\"\" width=\"5760\" height=\"3840\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o.jpg 5760w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-225x150.jpg 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-300x200.jpg 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-768x512.jpg 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-430x287.jpg 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-20x13.jpg 20w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/26411956519_11d4a85586_o-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 5760px) 100vw, 5760px\" \/>\n<h6>Vanuatu-<em>Warrior<\/em> Isso schenkt einer Vertreterin der deutschen Gruppe \u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c und der lokalen B\u00fcrgerinitiative \u201eBuirer f\u00fcr Buir\u201c Kava aus. Fotos von 350.<\/h6>\n<p>Seit COP23 sind nun schon zwei Wochen vergangen, und ich beginne erst jetzt, meine Erfahrungen zu verstehen. Dieser Blogbeitrag war urspr\u00fcnglich als \u00dcbersicht \u00fcber die Konferenz gedacht. Aber letztlich ist er zu einem Beitrag \u00fcber eine unserer Aktionen am Beginn der Reise geworden: zu einem Beitrag \u00fcber eine traditionelle fidschianische Zeremonie, die wir am Rande einer Veranstaltung in der N\u00e4he einer Kohlengrube abhielten.<\/p>\n<p>Meine Reise wurde von der deutschen Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/\">Brot f\u00fcr die Welt<\/a> gesponsert. Meine Anwesenheit war jedoch bei nicht allzu vielen Veranstaltungen erforderlich. Deshalb verbrachte ich meine Freizeit zumeist mit anderen jungen Aktiven aus den Pazifik-Inseln, alle Mitglieder des 350.org-Teams <a href=\"https:\/\/350pacific.org\/\"><em>Pacific Climate Warriors<\/em><\/a>, Inselbewohner*innen aus dem Su\u0308dpazifik, die sich f\u00fcr Klimaschutz engagieren. Insgesamt waren 12 von uns in Bonn mit dabei, wobei mindestens 9 Inselnationen vertreten waren.<\/p>\n<p>Fenton Lutunatabua, Fidschi-<em>Warrior<\/em> und regionaler Koordinator f\u00fcr die Pazifikregion, vermittelte zwischen unserem Inselbewohnerteam und dem europ\u00e4ischen Team und half bei der Organisation von Aktionen im Rahmen der COP und anderen Aktionen. Was mich zum eigentlichen Thema dieses Blogbeitrags bringt: unsere <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/350.org\/videos\/10155987740257708\/\">Aktion<\/a> am 5. November zusammen mit deutschen Aktiven. Die Aktion war unvergesslich.<\/p>\n<p><strong>Mannheim \u2013 ein verlassenes Mahnmal<\/strong><\/p>\n<p>Der Kohletagebau, der im Zentrum dieser Aktion stand, befindet sich in der N\u00e4he von Hambuch und wurde von der Tageszeitung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2017\/nov\/08\/germanys-dirty-coalmines-become-the-focus-for-a-new-wave-of-direct-action\">Guardian<\/a> als das \u201egr\u00f6\u00dfte Loch Europas\u201c und als \u201eeine der gr\u00f6\u00dften Kohlenstoffquellen des Kontinents\u201c bezeichnet. Kohle <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2017-11-24\/german-s-respite-for-coal-may-end-as-talks-resume-with-merkel\">lieferte<\/a> letztes Jahr ungef\u00e4hr 40 Prozent des gesamten Elektrizit\u00e4tsbedarfs Deutschlands, wobei sie f\u00fcr ungef\u00e4hr ein Drittel des Kohlendioxidaussto\u00dfes verantwortlich ist. Die <a href=\"https:\/\/phys.org\/news\/2017-11-climate-chancellor-merkel-coal-cars.html\">Position<\/a> von Bundeskanzlerin Merkel zum Kohleabbau wurde auf der Konferenz mit Spannung erwartet.<\/p>\n<p>In der N\u00e4he dieses Kohletagebaus hielt unser Team in einer verschlafenen Stadt nahe Mannheim bei Sonnenaufgang eine traditionelle fidschianische <em>Sevusevu<\/em>-Zeremonie ab. Diese <em>Sevusevu<\/em>-Zeremonie wurde vom Fidschi-<em>Warrior<\/em> George Nacewa geleitet. Dabei treffen sich Dorfvorsteherinnen und Dorfvorsteher und bitten einander um Erlaubnis, ihr Land zu betreten. In diesem Fall nahmen unsere <em>Warriors<\/em> und die deutschen Organisator*innen der Gruppe <a href=\"https:\/\/www.ende-gelaende.org\/de\/\">Ende Gel\u00e4nde<\/a> an der Zeremonie teil.<\/p>\n<p>Die Zeremonie sollte Solidarit\u00e4t mit der umfangreichen Aktion von Ende Gel\u00e4nde vermitteln, die nur wenige Stunden davor stattfand. Dabei blockierten tausende Demonstranten den nur wenige Kilometer entfernten Kohletagebau mit ihren K\u00f6rpern und forderten ein Ende des Abbaus fossiler Brennstoffe.<\/p>\n<p>Der Morgen in Mannheim begann kalt und regnerisch. Wir verbrachten die einst\u00fcndige Busfahrt im Dunkeln mit Nickerchen, Witzen, Musik und K\u00e4sebr\u00f6tchen. Ein Mitglied der Gruppe machte auf den vermeintlichen Sonnenaufgang aufmerksam \u2013 der sich dann als hohe Flamme aus einem Ofenschacht herausstellte.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kamen wir in den verlassenen Stra\u00dfen einer Stadt an. Dichte Nebenschwaden zogen durch die Ziegelh\u00e4user der Stadt, die aufgrund der Erweiterung des Tagebaus umgesiedelt worden war. Heute leben dort Gefl\u00fcchtete. Die Ironie und der Doppelstandard entgingen uns dabei nicht. Uns fr\u00f6stelte, als wir unsere <em>Tapa<\/em>-T\u00fccher in die Kirche brachten.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56814\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7.png\" alt=\"\" width=\"793\" height=\"529\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7.png 964w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7-225x150.png 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7-300x200.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7-768x512.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7-430x287.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture7-20x13.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 793px) 100vw, 793px\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bl\u00fctenbl\u00e4tter aus <em>Tapa<\/em>-Stoff \u2013 unsere Gabe<\/strong><\/p>\n<p>Siliveseteli Loloa und Joseph-Zane Sikulu, unsere <em>Warriors<\/em> aus Tonga, hatten die <em>Tapa<\/em>-T\u00fccher nach Deutschland gebracht, die wir Ende Gel\u00e4nde w\u00e4hrend der <em>Sevusevu<\/em>-Zeremonie als Gabe \u00fcberreichen wollten.<\/p>\n<p>Wir schnitten die T\u00fccher in vier gro\u00dfe Bl\u00fctenbl\u00e4tter und bemalten sie mit den Worten \u201e<em>End Fossil Fuel Now<\/em>\u201c (Schluss mit fossilen Brennstoffen). Die Bl\u00fctenform war an unsere Kampagne <a href=\"https:\/\/haveyoursei.org\/\">#HaveYourSei<\/a> angelehnt, die das Symbol der Inselblume verwendet, um die Sch\u00f6nheit und Best\u00e4ndigkeit unserer Kulturen und V\u00f6lker zu repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich werde diesen Morgen nie vergessen. Wir standen im Kreis und hielten H\u00e4nde, brachten unsere Anliegen in einem Gebet vor, zogen unsere traditionellen Gew\u00e4nder an und stellten uns in einer Reihe auf. Die M\u00e4nner in unserer Gruppe zogen ihre Socken und Schuhe aus. Drau\u00dfen wurde in ein Muschelhorn geblasen. Vereinzelt wurden noch Witze gefl\u00fcstert, aber sobald uns drau\u00dfen die kalte Luft entgegen blies und wir die wartende Menge sehen konnten, verstummten wir. Die Zeremonie begann.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56815\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6.png\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"513\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6.png 956w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6-225x150.png 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6-300x200.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6-768x512.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6-430x287.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture6-20x13.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein <em>Sevusevu<\/em> im deutschen Regen<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Zeremonie witzelten einige Mitglieder des RMI-Regierungsteams \u00fcber das Barfu\u00dflaufen im Regen. Ich erkl\u00e4rte ihnen, dass das Absicht sei. Die M\u00e4ntel und Schuhe w\u00fcrden als Zeichen der Demut ausgezogen. Zane erz\u00e4hlte mir sp\u00e4ter die Geschichte einer tongaischen Prinzessin, die viele Kilometer barfu\u00df ohne Regenschirm im Regen ging, um die britische K\u00f6nigin zu sehen. Dadurch bewies sie ihren Respekt, ihre Bescheidenheit und ihre St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Ich war haupts\u00e4chlich damit besch\u00e4ftigt, nicht zu stark zu zittern. Wir gingen in die Mitte der Stra\u00dfe, um die Zeremonie abzuhalten. Die Mitglieder von Ende Gel\u00e4nde sa\u00dfen auf St\u00fchlen an einem Ende. Unsere M\u00e4nner sa\u00dfen ihnen gegen\u00fcber am anderen Ende, aufrecht und unbeeindruckt von der K\u00e4lte. Um uns herum war eine Menschenmenge aus Gemeindemitgliedern und Medienleuten, dick vermummt in M\u00e4nteln und mit Regenschirmen. Kameras blitzten auf.<\/p>\n<p>Die Zeremonie verlief ruhig und still. Sie begann mit einer einf\u00fchrenden Rede von Zane, gefolgt von einem wundersch\u00f6nen Gebet von Reverend James Bhagwan von der Methodistenkirche in Fidschi und einem beeindruckenden Sprechgesang von George. Ihre Stimmen hallten in der Leere der Stadt wider. Kava wurde anger\u00fchrt, in ausgeh\u00f6hlte Kokosnussschalen gef\u00fcllt und serviert. Wir klatschten. Wir seufzten. Wir Frauen hatten die Aufgabe, die Tapa-T\u00fccher zu bringen, wenn es an der Zeit war. Es regnete w\u00e4hrend der Zeremonie unabl\u00e4ssig. Man konnte unsere Atemz\u00fcge in der kalten Luft sehen. Aber die Energie der Zeremonie, die ich zum ersten Mal mitmachte, w\u00e4rmte mich.<\/p>\n<p>Nach der Zeremonie wurden einige von uns um Interviews gebeten. \u201eDie nachfolgende Aktion von Ende Gel\u00e4nde ist illegal\u201c, sagte der Journalist ins starre Auge der Videokamera. \u201eWas halten Sie von solchen Aktionen \u2013 unterst\u00fctzen Sie sie?\u201c<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen legale und illegale Aktionen nebeneinander bestehen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich dachte lange \u00fcber diese Frage nach und besprach sie mehr als einmal mit unserem Team. Als ich den <em>Warriors<\/em> Anfang dieses Jahres beitrat (ich bin ziemlich neu dabei), betonten unsere F\u00fchrungskr\u00e4fte, dass die Aktionen, an denen die Krieger teilnehmen w\u00fcrden, gewaltfrei und legal sein w\u00fcrden. Da ich in Hawaii unter dem starken Einfluss der USA aufgewachsen bin, habe ich viele Aktionen gesehen, die so begannen \u2013 und dann ihre h\u00e4ssliche Seite zeigten. Manchmal sind die Demonstranten schuld. Oft jedoch nicht. Am Anfang hat mich das verwirrt, aber sp\u00e4ter habe ich die Gr\u00fcnde erkannt.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung erkennt, dass sich viele von uns Insulanern bei westlichen Aktionen wie die von Ende Gel\u00e4nde unbehaglich f\u00fchlen. Sie stellen die Autorit\u00e4t in Frage und tun dies auf eine Weise, die unseren kulturellen Lehren der Demut und des Respekts widersprechen. Als bereits an den Rand gedr\u00e4ngte Bev\u00f6lkerungsgruppe ist dies f\u00fcr uns schwierig. Viele unserer Gruppenmitglieder k\u00f6nnen aufgrund der schlechten Jobsituation oder der Verantwortung gegen\u00fcber ihren Familien keine Gewalt und kein Gef\u00e4ngnis riskieren. Einige wollen auch gar nicht als \u201eAktivisten\u201c bezeichnet werden, denn dieser Begriff ist mit Ausl\u00e4ndern verbunden, die ungeheuerliche Handlungen aus ungeheuerlichen Gr\u00fcnden t\u00e4tigen. \u201eEin Pacific Climate Warrior zu sein, bedeutet, strikt gewaltfrei zu handeln und auf w\u00fcrdevolle und friedliche Weise f\u00fcr die Zukunft der Pazifik-Inseln einzutreten\u201c, so die Definition auf einer <a href=\"https:\/\/350pacific.org\/our-work\/what-does-it-mean-to-be-a-warrior\/\">Seite<\/a> von 350 Pacific, \u201e<em>Warriors<\/em> sind unverw\u00fcstlich. <em>Warriors<\/em> sind weder aggressiv noch gewaltt\u00e4tig, sondern agieren bestimmt. <em>Warriors<\/em> dienen, um ihre Gemeinde, ihre Kultur, ihr Land und ihren Ozean zu sch\u00fctzen. <em>Warriors<\/em> lernen immer dazu.\u201c<\/p>\n<p>Fenton und unser vorheriger Teamleiter Koreti verstehen, dass Protest viele Formen annehmen kann. Er kann sogar die Form kultureller Bescheidenheit annehmen. In diesem Fall zeigte die <em>Sevusevu<\/em>-Zeremonie Bescheidenheit, aber auf eine Weise, die die pazifische Kultur in den Vordergrund stellte. Sie zeigte die pazifischen Werte auf und stellte durch eine uralte Tradition eine Verbindung zu einer Stadt her, die durch die gleichen heimt\u00fcckischen Kr\u00e4fte verdr\u00e4ngt wurde, die auch unsere Inseln verschlucken. Das erinnert mich an die Geschichten \u00fcber unsere H\u00e4uptlinge, die aus Protest zum von den USA besetzten Atoll Kwajalein segelten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter meinte eine der Vertreter*innen, die den Kava trank, unter Tr\u00e4nen, dass sie von der Sch\u00f6nheit und dem Respekt unserer Geste \u00fcberw\u00e4ltigt war. <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/environmental-activists-storm-open-pit-coal-mine-ahead-of-climate-talks\/a-41248945\">Antje Grothus<\/a>\u00a0stammt aus dem Dorf Buir im Rheinland. Sie ist Mitglied der lokalen B\u00fcrgerinitiative Buirer f\u00fcr Buir, die daran arbeitet, die Kohle unter Tage zu lassen. Sie und ihre Familie und Gemeinde sind direkt von den Auswirkungen des Kohleabbaus betroffen. \u201eDie Zeremonie war sehr bewegend\u201c, meinte sie, \u201eaber ich fand es auch besch\u00e4mend, dass die Pacific Climate Warriors uns um unsere Erlaubnis baten, hier zu sein, w\u00e4hrend wir ihren Lebensraum durch das Verbrennen von Kohle zerst\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Die Zeremonie verst\u00e4rkte die Bindungen zwischen unseren L\u00e4ndern aufgrund der gemeinsamen Herausforderungen \u2013 durch eine Entscheidung, die das \u00dcberleben von Menschen beeinflussen kann, die tausende Kilometer entfernt leben. Die bewirken kann, dass eine evakuierte Stadt einer Insel gleicht, die nach Luft schnappt.<\/p>\n<p>Wir fanden sp\u00e4ter heraus, dass einige der Aktiven von der Polizei mit Pfefferspray bespr\u00fcht wurden und einige verhaftet wurden, obwohl der Gro\u00dfteil der Aktion friedlich ablief. In mancher Hinsicht schien mir unsere Zeremonie nicht ausreichend. Sollten wir auch dort drau\u00dfen sein? Sollten wir auch unsere K\u00f6rper aufs Spiel setzen?<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56816\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5.png\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5.png 937w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5-223x150.png 223w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5-300x201.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5-768x516.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5-430x289.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture5-20x13.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/>\n<h6>Fotonachweis:<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-erft\/kerpen\/-ende-gelaende--hunderte-aktivsten-dringen-in-tagebau-ein-28768600\">https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-erft\/kerpen\/-ende-gelaende\u2013hunderte-aktivsten-dringen-in-tagebau-ein-28768600<\/a><\/h6>\n<p>Ich musste mich daran erinnern, dass unsere K\u00f6rper bereits auf dem Spiel stehen. Unsere Meere, unser Land, das \u00dcberleben unserer Kulturen und Identit\u00e4t. Unsere Aktion war in vieler Hinsicht wirkungsvoll.<\/p>\n<p>An diesem Punkt meines Wegs erkenne ich, dass man nicht nur auf eine Art und Weise protestieren kann.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter traf ich w\u00e4hrend einer anderen religions\u00fcbergreifenden Veranstaltung eine Aktive von Ende Gel\u00e4nde. Sie erkl\u00e4rte, dass Ende Gel\u00e4nde Vertrauen in illegale Aktionen setzt. Ich fragte sie, warum das so wichtig sei. \u201eWenn Ungerechtigkeit zum Gesetz wird\u201c, meinte sie, \u201edann werden Gesetzes\u00fcbertretungen gerecht. Wir glauben, dass wir das Gesetz aus den richtigen Gr\u00fcnden brechen.\u201c Ich hatte diese Perspektive noch nie geh\u00f6rt \u2013 und fand sie erfrischend und atemberaubend.<\/p>\n<p>Ich werde das Konzept illegaler Aktionen weiter sorgf\u00e4ltig \u00fcberdenken und verarbeiten, wie unsere\/meine Beitr\u00e4ge aussehen k\u00f6nnten. Aber ich glaube, dass es Raum f\u00fcr verschiedene Arten von Protesten gibt. Wenn sie richtig ausgef\u00fchrt werden, mit Kommunikation und gegenseitigem Respekt, k\u00f6nnen sie einander sogar erg\u00e4nzen. Die Partnerschaft mit Ende Gel\u00e4nde w\u00e4re ohne die stundenlangen Skype-Anrufe und die umfangreiche Vorbereitung durch das europ\u00e4ische 350-Team und unsere Koordinatoren Fenton und Zane nicht so gut gelaufen. Obwohl die Aktion weniger als eine Stunde dauerte, waren viele H\u00e4nde daran beteiligt, um sicherzustellen, dass sie auch Wirkung zeigte.<\/p>\n<p><strong>Am Rand eines Kohlebergwerks<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Zeremonie stiegen wir ersch\u00f6pft und etwas feucht in den Bus. Vor der R\u00fcckfahrt nach Bonn machten wir noch einen Zwischenstopp am Rand des Kohletagebaus. Von einem Aussichtspunkt konnten wir ihn sehen, bevor er sich mit Demonstranten f\u00fcllte.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, was ich erwartet hatte. Ehrlich gesagt erwartete ich eines dieser Bergwerke wie in einem Comicstrip, mit den kleinen Metallbeh\u00e4ltern, die wie bei einer Achterbahn aus dem Berg rollen. Was ich nicht erwartet hatte, war eine klaffende Wunde in der Erde \u2013 eine leer gekratzte, rohe Mondlandschaft.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56817\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4.png\" alt=\"\" width=\"744\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4.png 1014w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4-225x150.png 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4-300x200.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4-768x511.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4-430x286.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture4-20x13.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 744px) 100vw, 744px\" \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56818\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3.png\" alt=\"\" width=\"746\" height=\"497\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3.png 931w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3-225x150.png 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3-300x200.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3-768x511.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3-430x286.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture3-20x13.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Rand des Aussichtspunkts waren Plastikst\u00fchle aufgestellt, damit sich die Leute sonnen und die Aussicht \u201egenie\u00dfen\u201c konnten. Davor befand sich ein Spielplatz aus Metall.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich zum Rand ging, dachte ich an ein Gedicht, das die Eindr\u00fccke beschreiben konnte \u2013 warum diese Leere so vertraut war. Als ob ich das schon anderswo gesehen h\u00e4tte. Ich fragte mich, ob <a href=\"https:\/\/www.abc.net.au\/foreign\/the-dome\/9198340\">Runit<\/a> so ausgesehen hatte, bevor es mit Atomm\u00fcll gef\u00fcllt und mit einer Betonh\u00fclle abgedeckt wurde.<\/p>\n<p>Viele von uns weinten. Deswegen versinken unsere Inseln im Meer \u2013 aber wir waren nicht auf die H\u00e4sslichkeit gefasst. Der Anblick f\u00fchrte uns vor Augen, warum wir k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Es gibt ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/350Pacific\/videos\/1769514453059730\/\">Video<\/a> unserer Reaktionen auf den Anblick des Tagebaus. Danach f\u00fchrte Tia aus Tokelau unseren traditionellen Gesang an: \u201eWir ertrinken nicht \u2013 wir k\u00e4mpfen!\u201c<\/p>\n<p>Die erste Strophe des Gesangs f\u00fchlte sich hohl an. Ich f\u00fchlte Tr\u00e4nen in meinen Augen \u2013 ich f\u00fchlte mich so hilf- und nutzlos. Aber als wir den Gesang wiederholten, zwang ich mich, Kraft aus der Anwesenheit der anderen um mich herum zu sch\u00f6pfen. Ich f\u00fchlte, wie sich meine Stimmung hob, als ob jemand <em>ja<\/em> sagte.<em> Ja. Darum bist du hier.<\/em><\/p>\n<p>Danach rollten wir die Tapa-Bl\u00fcten auf und hielten die Ecken hoch, w\u00e4hrend wir oben nach der Drohne suchten. Der Himmel war noch nie so klar. Leuchtendes Blau mit einer Sonne, die unsere Augen blendete.<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56819\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1.png\" alt=\"\" width=\"778\" height=\"519\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1.png 1031w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1-225x150.png 225w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1-300x200.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1-768x512.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1-1024x682.png 1024w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1-430x287.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture1-20x13.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 778px) 100vw, 778px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-56820\" src=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2.png\" alt=\"\" width=\"778\" height=\"584\" srcset=\"https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2.png 929w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2-200x150.png 200w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2-300x225.png 300w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2-768x576.png 768w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2-430x323.png 430w, https:\/\/350.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/11\/2018\/01\/Picture2-20x15.png 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 778px) 100vw, 778px\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Gedicht von George<\/strong><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag hielten wir mit dem 350-Team eine Nachbesprechung ab. In einem Schreibseminar verarbeiteten wir den vorigen Tag in Gedichten. Alle der Gedichte waren wundersch\u00f6n. Ich bat George, sein Gedicht vorzutragen, nicht nur, weil es mich bewegte, aber auch, um seine Arbeit und seine Leitung bei der Zeremonie zu w\u00fcrdigen, die wundersch\u00f6n war:<\/p>\n<p><strong><em>Gestern <\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>klang wie die Meeresbrise, die durch den Baka-Baum weht. Das Lachen meiner Dreu&#8217;s, die Witze \u00fcber den Baigani-Vorfall machen. Das Mischen von Yagona um 10 Uhr Vormittag und der Ruf von der anderen Dorfseite, mai, mai, mai, dua mada na bili ni mua.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gestern schmeckte wie Sui Mada von meiner Mutter. Von meinem Volk zubereiteter frischer Fisch und Yaqona.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gestern sah aus wie Bula-L\u00e4cheln und der respektvolle Blick meiner Stammes\u00e4ltesten. Es sah aus wie Hoffnung.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gestern roch wie Voivoi, zum Weben der feinsten Stoffe gepfl\u00fcckt, wie die Masi, die wir verwendeten, um meinen Sohn und meine Tochter zu umwickeln, als sie das erste Mal nach Hause kamen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gestern f\u00fchlte sich an wie<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Wir ertrinken nicht. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Wir k\u00e4mpfen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>**\u00dcbersetzung:<br \/>\nYaqona \u2013 Kava<br \/>\nMai, mai, mai, dua mada na bili ni mua \u2013 Komm, komm, komm, eine Mischung zum Abschied<br \/>\nSui \u2013 fleischige Knochensuppe<br \/>\nVoivoi \u2013 Pandan-Bl\u00e4tter<br \/>\nMasi \u2013 Tapa<br \/>\nBaigani \u2013 Aubergine<br \/>\nDreu\u2019s \u2013 traditionelle Bezeichnung f\u00fcr Menschen aus Vanua Levu, der anderen gr\u00f6\u00dferen Insel in Fidschi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit COP23 sind nun schon zwei Wochen vergangen, und ich beginne erst jetzt, meine Erfahrungen zu verstehen. 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