Dies ist der dritte Artikel von Fossiles Geld, einer Serie darüber, wie das globale Finanzsystem den Klimakollaps befördert und beschleunigt. Lies den ersten Artikel hier und den zweiten hier . Bleib dran für mehr!

Schließ die Augen und los geht’s. Du fliegst über die Pipeline zurück, ein kräftiger Wind trägt dich weiter. Flussaufwärts liegen die grünen Felder und du siehst Menschen, die sich ausruhen, andere, die spielen und wieder andere, die arbeiten. Du siehst Menschen, die gegen die Pipeline, die in der Ferne verschwindet, protestieren und kämpfen. Hier und da brennen kleine Feuer. Du merkst, dass das schmutzige fossile Geld wieder ausläuft. Jenseits des Horizonts steigen große Rauchwolken auf.

Und dann, plötzlich, sieht du etwas Unerwartetes. Während die Menschen protestieren, spielen oder arbeiten, legen sie einen Teil ihres eigenen Geldes in große Karren. Dann kommen einige andere und schieben die Karren bergauf, zum oberen Ende der Pipeline. Da siehst du es. Einige Personen nehmen das Geld der Menschen und werfen es, ohne ihr Wissen, in die Pipeline! Wie kann das nur passieren?

Ja, meine lieben Gefährt:innen in diesem Labyrinth. Fossiles Geld kommt sehr oft direkt aus den Taschen von Menschen wie du und ich! Überall auf der Welt, aber vor allem im Globalen Norden, investieren Staaten und andere öffentliche Institutionen, dein, mein, unser aller Geld in fossile Brennstoffe. Alles Geld, das in fossile Brennstoffe investiert wird, ist unethisch. Aber die Zukunft der Menschen mit ihren eigenen Ressourcen direkt zu gefährden, geht wirklich und eindeutig zu weit. Deshalb sind öffentliche Institutionen besonders verletzlich gegenüber der Macht der Bürger:innen!

Subventionen und Steuersenkungen

Es mag angesichts der von allen Seiten verbreiteten Rhetorik schockierend klingen, aber jedes Jahr schütten Regierungen obszöne Geldbeträge (etwas zwischen 300 Milliarden und 5,9 Billionen US Dollar) als Subventionen in fossile Brennstoffe. Öffentliche Gelder fließen in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie, entweder durch Steuererleichterungen oder durch direkte Zahlungen. Länder nutzen diese Möglichkeit, um die Preise für diese Brennstoffe künstlich zu senken.

Subventionen und Steuersenkungen sind außerordentlich flexibel und können auf jeden fossilen Brennstoff und jeden Teil der Lieferkette angewendet werden. Einige Quellen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF), behaupten sogar, dass die Tatsache, dass öffentliche Institutionen den Großteil der Rechnung für die von der fossilen Industrie verursachte Zerstörung übernehmen, als weitere Subvention betrachtet werden kann.

Absicherung des Projekts

Um große Projekte zur Gewinnung fossiler Brennstoffe wie Minen, Hafenterminals, Pipelines oder die Entwicklung von Feldern abzusichern, bieten Regierungen den Unternehmen häufig Garantien an, die das Risiko ihrer Investitionen teilweise oder ganz auffangen. Auf diese Weise werden öffentliche Gelder dafür eingesetzt, dass sämtliche unerwarteten Schwierigkeiten, wie Zusatzkosten oder manchmal sogar das vollständige Scheiterns des Projekts, gedeckt sind.

Öffentliche Unternehmen

Warum sollte man Unternehmen subventionieren, wenn man die fossilen Brennstoffe selbst fördern, transportieren und verbrennen kann? Genau das tun viele Länder: Sie besitzen die Unternehmen, die direkt für fossile Brennstoffe verantwortlich sind (ganz oder teilweise). Diese Unternehmen können sich entsprechend auf die Unterstützung der Regierung verlassen, wenn die finanzielle Lage schlecht wird. Einige der größten Ölgesellschaften der Welt sind staatlich, wie Saudi Aramco (Saudi-Arabien), Equinor (Norwegen) und Petrobras (Brasilien).

Aber warum? WARUM?

Wenn es dir so geht wie mir, drängt sich in deinem Kopf gerade lautstark eine Frage auf: WARUM? Warum zahlen Regierungen für die Verbrennung fossiler Brennstoffe? Sollten wir daraus nicht aussteigen? Haben sich unsere Staats- und Regierungschefs nicht dazu verpflichtet, dies zu tun?

Nun, die Antwort ist, dass Subventionen leider ziemlich hartnäckig sind. Wir leben in einer globalen Wirtschaft, die in hohem Maße auf schmutzigen fossilen Brennstoffen basiert und ein plötzlicher Wechsel dieser Maschine kann die Lebensgrundlage vieler Menschen gefährden. Wir haben es in Frankreich, Ecuador und in vielen anderen Ländern gesehen.

Dies sollte jedoch nicht als Entschuldigung für die Verantwortlichen in der Politik dienen, die weiterhin auf die Zerstörung der Welt setzen. Schließlich gibt es auf einem toten Planeten keine Wirtschaft, um die man sich kümmern könnte.

Es gibt viele Möglichkeiten, die wirtschaftlichen Folgen der Abschaffung von Subventionen für fossile Brennstoffe abzumildern, z.B. durch die direkte Bereitstellung dieser Mittel für ärmere Familien oder die Finanzierung von Bildungs- oder Beschäftigungsprogrammen – dies ist Teil dessen, was die Klimabewegung gemeinhin als „gerechte Transformation“ bezeichnet: eine Transformation, die niemanden zurücklässt. Jedes Land, jede Region und jede Gemeinschaft hat eigene Bedürfnisse, deshalb gibt es keine Einheitslösung für alle. Aber eines wissen wir alle: Fossile Brennstoffe müssen überall im Boden gelassen werden, damit wir eine bessere, sichere und gerechtere Zukunft aufbauen können.