Beim People’s Climate Summit trafen sich Vertreter*innen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften mit Pacific Climate Warriors, um darüber zu sprechen, wie wir uns von den Grundsätzen der Gerechtigkeit, die den Kern vieler Religionen bilden, leiten lassen und angesichts des Klimawandels aus ihnen Hoffnung schöpfen können.

Die Warriors sprachen über die eindrucksvollen Ereignisse vom Sonntag – den symbolischen Regen während der Sevusevu-Zeremonie (kleine Opfergabe), mit der Geist und Präsenz der Ahnen eingeladen werden, und die Aktivistinnen und Aktivisten, die in der Aktion Ende Gelände zu Tausenden in den Tagebau eindrangen und damit eine Art Wiederauferstehung bewirkten, indem sie das Leben in die kahlen, toten deutschen Kohlegruben zurückbrachten.

Lusia Taloafulu Feagaiga, Pacific Climate Warrior und Jugendleiter in der Methodistenkirche Neuseelands, sprach darüber, wie wichtig es ist, Gläubige anzusprechen, um in der Pazifikregion eine Klimabewegung aufzubauen, und nannte die „Pray for Our Pacific”-Kampagne als Beispiel.

„Es ist schwer erträglich für uns, wenn die Medien über die Auswirkungen des Klimawandels in der Zukunft sprechen, so als wären sie nicht bereits Realität“, sagt Lusia. Die anderen Warriors nickten traurig und erzählten, wie überrascht sie waren, dass sie während ihres Besuchs in Deutschland zum Klimagipfel wiederholt gebeten wurden, zu erklären, was der Klimawandel für den Pazifik bedeuten wird. „Bei uns wurden diese Diskussionen vor zehn Jahren geführt. Jetzt, wo die Zerstörung in vollem Gange ist, sprechen wir darüber, was wir tun können. ”.

Religiöse Oberhäupter riefen die Gläubigen auf, durch Divestment ganz konkret gegen die Kohle-, Öl- und Gasindustrie vorzugehen. Dies sei ein Weg, „mit dem Geld das zu tun, was wir predigen”. Seit die Schwedische Kirche 2008 als erste Kirche aus Öl und Kohle deinvestiert hat, sind über zweihundert andere religiöse Institutionen ihrem Beispiel gefolgt.

„Als religiöse Oberhäupter haben wir unsere eigene Art, mit Suchtproblemen umzugehen — und Öl ist eine Sucht unserer Gesellschaften. Da können wir helfen”, sagte Imam Saffet Catovic, Gründungsmitglied der Green Muslims of New Jersey und Chefberater von GreenFaith.

Referenten, von links nach rechts: Reverend Fletcher Harper, Imam Saffet Catovic, Rapha Breyer

Rapha Breyer vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend, dem Dachverband der katholischen Jugendorganisationen in Deutschland, sprach einige Probleme an: „Kampagnen zum Klimawandel sind schwierig in diesem Land, weil er die Menschen nicht wirklich berührt.” Doch in Deutschland unterschätzen viele die Auswirkungen des Klimawandels überall im Land. Sie reichen von Starkregenereignissen über extreme Hitzewellen bis hin zur Landwirtschaft, wo man immer häufiger um die Ernte bangen muss.

Reverend Fletcher Harper von GreenFaith hatte einen Rat, wie man mit Religionsgemeinschaften über Divestment ins Gespräch kommen kann: „Wenn ihr über Moral diskutieren wollt, sagt nicht: ‘Lasst uns über Moral diskutieren’, sondern sprecht über Geld. Dabei geht es dann wirklich um Werte.”

Er argumentierte, dass kirchliche Institutionen vorangehen könnten, so wie am 4. Oktober 2017, als sich 40 katholische Institutionen auf fünf Kontinenten in der bislang größten gemeinsamen Erklärung zum Divestment verpflichteten. Daniela Finnamore vom Global Catholic Climate Movement sprach über diesen Sieg und ermutigte deutsche religiöse Institutionen, nachzuziehen.

Doch auch über die Fragen der finanziellen Verantwortung hinaus können religiöse Werte hilfreiche Orientierung bieten. „Als Gläubige müssen wir darüber nachdenken, wie wir unser ungerechtes System verändern und ein durch und durch besseres schaffen können.” Die Teilnehmenden diskutierten über direkte Aktionen und zivilen Ungehorsam und über die Frage, ob wir angesichts der Dringlichkeit des Klimawandels die Regeln brechen müssen.

Nora Keske, deutsche Aktivistin und Sprecherin des Liberation Theology Network, sagte „Bertolt Brecht hat, glaube ich, einmal gesagt: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. In diesem Kampf können wir uns am Glauben orientieren. Er macht mir Hoffnung.”

Die Zusammenkunft endete mit einem Augenblick der Stille, den ein buddhistischer Teilnehmer angeregt hatte, um „darüber nachzudenken, was wir gemeinsam erreicht haben”. Als Zeichen der Verbundenheit zwischen den Teilnehmenden aus aller Welt verteilten die Pacific Climate Warriors Sei-Blumen, die die Lebensfreude und Widerstandskraft der Menschen auf den Pazifikinseln symbolisieren.

Viele Angehörige von Religionsgemeinschaften unterstützen den Aufruf der Pacific Climate Warriors, das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu beenden und im Rahmen der #HaveYourSei-Kampagne die Erklärung zum Klimawandel zu unterzeichnen. Letzten Mittwoch haben sie diese Forderungen bei der COP23 den Staats- und Regierungschefs überreicht.

sigh