Rise: Von einer Insel zur anderen

Sieh dir die poetische Expedition zweier Inselbewohnerinnen an. Eine stammt von den Marshallinseln, die andere aus Kalaallit Nunaat (Grönland). Sie verknüpfen die Realität in ihrer jeweiligen Heimat, geprägt von schmelzenden Gletschern und ansteigendem Meeresspiegel. Mit ihrem Gedicht zeigen Kathy Jetñil-Kijiner und Aka Niviâna auf, welche Verbindungen angesichts des Klimawandels zwischen ihren Heimatländern bestehen. Das Video vermittelt einen Eindruck davon, wie groß und zugleich klein und verflochten unsere Welt ist.

Die wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel und zu seinen Ursachen sind seit Jahrzehnten bekannt. Das hat jedoch nicht ausgereicht, um die Veränderungen zu bewirken, die zur Rettung der Erde notwendig sind. Wir hoffen, dass dieses Gedicht die Gefühle und die Dynamik auslösen kann, mit denen mehr Menschen dazu bewegt werden, aufzustehen und aktiv werden.

Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um dir den Film anzusehen. Schalte die Ablenkungen des Alltags aus, genieße die Schönheit unserer gemeinsamen Heimat, und lass das Gedicht seine heilende Wirkung entfalten.

Ansehen

“Schwester aus dem Land von Sand und Meer, siehst du unsere Gletscher ächzen unter der Last der Hitze dieser Welt?”

“…Schwester aus dem Land von Eis und Schnee, voller Kummer komme ich zu dir, ich trauere um Landschaften, ewig zum Wandel gezwungen.”

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Untertitel verfügbar, auch in anderen Sprachen. Klicke auf den CC-Button

Über das Team

Kathy Jetñil-Kijiner

Kathy Jetñil-Kijiner ist Dichterin marshallesischer Abstammung. Mit ihrem Auftritt bei der Eröffnung des UN-Klimagipfels 2014 in New York fand sie international Beachtung. CNN, Democracy Now, die Huffington Post und weitere Medien haben über ihre Werke und Auftritte berichtet. Im Februar 2017 erschien bei University of Arizona Press ihr erster Gedichtband, Iep Jāltok: Poems from a Marshallese Daughter. Ihre Arbeit hat sich weiterentwickelt und ist seit einiger Zeit auch in Galerie- und Performancekunst-Räumen zu erleben. Im Februar 2017 wurden Kathys Arbeiten auf der Honolulu Biennial auf Hawaii gezeigt, im Juli 2017 vom Smithsonian Kunstlabor ‘Ae Kai. Im November 2018 sind sie bei der Asia Pacific Triennial in Australien zu sehen. Kathy ist Mitbegründerin von Jo-Jikum. Die gemeinnützige Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen von den Marshallinseln darin zu unterstützen, Lösungen im Hinblick auf den Klimawandel und andere Umweltfolgen zu finden, die ihre Heimatinsel bedrohen. 2015 wählte die Vogue sie als eine von 13 Climate Warriors aus und die Earth Company ernannte sie 2017 zum Impact Hero of the Year. Kathy schloss ein Master-Studium in Pacific Island Studies an der University of Hawaii in Mānoa ab.


Aka Niviâna

Aka Niviâna ist eine Inuit-Schriftstellerin, und dies ist ihr erster Auftritt in einem Film. Aka wandte sich der Dichtung aus dem Wunsch nach differenzierten Gesprächen heraus zu. Ihr geht es dabei nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um Kolonialismus und die Rechte Indigener. Sie glaubt, dass Menschen dunkler Hautfarbe und indigene Völker stärker miteinbezogen und repräsentiert werden müssen.

 


Dan Lin

Das hier ist Dan Lins zweites Filmprojekt. Der Fotograf und Fotojournalist kam zum Film, weil er auf die Komplexität von Fragen reagieren wollte, die im Pazifikraum aufkamen. Er möchte einem breiteren Publikum ein emotionaleres und unmittelbareres Erlebnis ermöglichen. In erster Linie will Dan Geschichten von indigenen Menschen und ihrer Beziehung zu Land und Meer erzählen.

 

Nick Stone

Nick Stone hat einen Abschluss an der Tisch School of the Arts, einer Fakultät der New York University. Seit fast zwanzig Jahren arbeitet er freiberuflich als Filmemacher und -editor. Zu seinen Arbeiten gehören unterschiedlichste Projekte, von landesweiten Werbekampagnen bis hin zu Independent- und Dokumentarfilmen. Als begabter Geschichtenerzähler mit einem besonderen Gespür für Klang ist er mehrfach ausgezeichnet worden. Immer wieder verfolgt er neue Ideen, geht neue Projekte an und erkundet neue Arten des Geschichtenerzählens.

 

Rob Lau

Rob ist ein visueller Geschichtenerzähler und stammt von der Insel O’ahu. Er hat am College of the Atlantic einen Bachelorabschluss in Humanökologie gemacht. Durch das Medium Film beschäftigt er sich mit den Themen soziale Gerechtigkeit, hawaiianische Kultur und ortsspezifisches Wissen sowie damit, wie die Kunst Denkweisen verändern kann. Im Namen umgestaltender Medien sorgt Rob für soziale Brüche. Er will Geschichten erzählen, die sich mit der Zukunft unserer Menschheit befassen und zugleich das kulturelle Wissen vergangener Zeiten feiern.

 

Oz Go

Oz Go ist Filmemacher und der Gründer von Narrative Lost. Das nichtkommerzielle Filmstudio und Künstler*innenkollektiv will Filme machen, die sich mit den drängendsten Fragen unserer Zeit beschäftigen, und dies für verdienstvolle Organisationen in aller Welt. Oz war auch an Kampagnen für Sports Illustrated, Adidas, Four Seasons und MasterCard beteiligt. Er ist Absolvent der University of Hawaii mit Hauptfach Anthropologie.

Making of Rise

Mehr über die Reise erfahren Die Videos sind auf Englisch.

Making of Rise | Ethos

Making of Rise | Das Gedicht

Making of Rise | Die Reise

Hier kannst du ein Essay von Bill McKibben zum Projekt nachlesen, das auf der Website des Guardian veröffentlicht wurde. Der Artikel ist auf Englisch.

Aufstehen

Von Kathy Jetnil-Kijiner und Aka Niviana

 

Schwester aus dem Land von Schnee und Eis
ich komme zu dir
vom Land meiner Ahnen
von Atollen, versunkenen Vulkanen — Heimat unter dem Meer
schlafender Riesen

Schwester aus dem Land von Sand und Meer
ich heiße dich willkommen
im Land meiner Ahnen
— dem Land, wo sie ihr Leben gaben
damit meines möglich werde
— im Land
der Überlebenden.

Ich komme zu dir
aus dem Land, das meine Ahnen erwählten.
Aelon Kein Ad,
Marshallinseln,
eher Meer als Land.
Willkommen in Kalaallit Nunaat,
Grönland,
auf der größten Insel der Welt.

Schwester aus dem Land von Eis und Schnee
ich bringe diese Muscheln mit,
aufgelesen an den Ufern
des Bikini-Atolls und des Runit Dome

Schwester aus dem Land von Sand und Meer
In meinen Händen halte ich diese Steine
aufgelesen an den Küsten von Nuuk,
Fundament des Landes, das meine Heimat ist.

Mit diesen Muscheln bringe ich dir eine Geschichte aus alter Zeit
zwei Schwestern, für immer erstarrt, auf der Insel Ujae,
eine verzaubert und zu Stein geworden
die andere wählte dieses Los
um für immer an der Seite ihrer Schwester zu stehen.
Noch immer sieht man die beiden,
am Rande des Riffs
lehren sie Beständigkeit.

Mit diesen Steinen bringe ich
eine oft erzählte Geschichte
sie handelt von Sassuma Arnaa, der Mutter des Meeres,
die auf dem Grunde des Ozeans in einer Höhle lebt.

Die Geschichte handelt
von der Hüterin des Meeres.
Sie sieht die Gier in unseren Herzen,
die Geringschätzung in unseren Augen.
Jeder Wal, jeder Strom,
jeder Eisberg
ist ihr Kind.

Achten wir diese nicht,
erteilt sie uns, was wir verdienen,
eine Lektion in Respekt.

Haben wir das schmelzende Eis verdient?
Die ausgehungerten Eisbären, die zu uns auf die Inseln kommen,
oder die riesigen Eisberge, die mit Wucht ins Wasser brechen
Haben wir es verdient,
dass ihre Mutter
uns das Zuhause nehmen will
und das Leben?

Von einer Insel zur anderen
bitte ich um Lösungen.
Von einer Insel zur anderen
frage ich nach euren Problemen

Lasst euch die Flut zeigen,
die schneller zu uns kommt,
als wir wahrhaben wollen.
Lasst euch
Flughäfen unter Wasser zeigen
niedergewalzte Riffe, geraubten Sand
und Pläne für den Bau neuer Atolle
für die dem uralten, ansteigenden Meer
Land abgerungen wird
und wir gezwungen, uns vorzustellen
wir würden selbst zu Stein.

Schwester aus dem Land von Sand und Meer,
siehst du unsere Gletscher ächzen
unter der Last der Hitze dieser Welt?
Ich warte auf dich, hier,
im Land meiner Ahnen
mit schwerem Herzen,
das nach Lösungen dürstet
Ich sehe dieses Land
sich verändern,
und die Welt schweigt.

Schwester aus dem Land von Eis und Schnee
voller Kummer komme ich zu dir
ich trauere um Landschaften
ewig zum Wandel gezwungen

erst durch Kriege, die uns aufgezwungen
dann durch Atommüll
abgeworfen
in unsere Gewässer
auf unser Eis
und nun das.

Schwester aus dem Land von Sand und Meer
Ich schenke dir diese Steine,
das Fundament meiner Heimat.
Möge auf unserer Reise
dasselbe unerschütterliche Fundament
uns verbinden,
uns stärker machen
als die ausbeutenden Ungeheuer,
die bis heute unser Leben verschlingen
zu ihrem Vergnügen.
Jene Bestien,
die nun entscheiden,
wer leben soll
und wer sterben.

Schwester aus dem Land von Eis und Schnee
ich schenke dir diese Muschel
und die Geschichte der beiden Schwestern
um zu bezeugen
um zu verkünden:
trotz allem
werden wir nicht gehen.
Sondern
wir werden versteinern.
Wir werden uns entscheiden
uns tief für immer
in diesem Riff zu verwurzeln.

Im Namen dieser Inseln
erbitten wir Lösungen.
Im Namen dieser Inseln

bitten wir
fordern wir die Welt auf, weiter zu blicken
weiter als Geländewagen, Klimaanlagen, verpackte Fertigprodukte
als ihre ölverschmierten Träume, weiter als die Überzeugung,
das Morgen werde schon nicht kommen, das hier
sei nur eine unbequeme Wahrheit.
Lasst meine Heimat zu eurer kommen.
Sehen wir zu, wie Miami, New York,
Shanghai, Amsterdam, London,
Rio de Janeiro und Osaka
versuchen, unter Wasser zu atmen.
Ihr meint, euch bleiben noch Jahrzehnte Zeit,
bis eure Heimat in den Fluten untergeht?
Uns bleiben nur Jahre.
Uns bleiben nur Monate,
bis ihr uns wieder opfert
bis ihr auf die Bildschirme eurer Fernseher und Computer blickt
um zu sehen, ob wir noch atmen,
während ihr tatenlos verharrt.

Schwester,
Von einer Insel zur anderen
reiche ich dir diese Steine
zur Erinnerung daran
dass unser Leben mehr zählt als ihre Macht
dass Leben in jeder Form
den Respekt verdient, den wir alle dem Geld bezeugen
dass diese Fragen uns alle betreffen
Keiner von uns ist dagegen gefeit
Und wir alle müssen uns entscheiden:
Werden
wir
aufstehen

Mach mit

Rise von einer Insel zur anderen:

Von den Marshallinseln nach Grönland: Sieh dir diesen atemberaubenden Kurzfilm über poetischen Widerstand in Zeiten der Klimakrise an.

Sieh dir den ganzen Film an und erfahre mehr über das Projekt.


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